Wie kann man wissen, ob ein Auto unfallfrei ist?

Wie kann man wissen, ob ein Auto unfallfrei ist

Der Gebrauchtwagenmarkt ist ein Minenfeld. Das Prädikat „unfallfrei“ ist das wertvollste Verkaufsargument und treibt den Preis in die Höhe. Doch leider ist es auch das Attribut, bei dem am häufigsten geschummelt wird – sei es aus böser Absicht des Verkäufers oder aus Unwissenheit. Ein versteckter Unfallschaden ist nicht nur ärgerlich, weil Sie zu viel bezahlen, sondern er kann auch lebensgefährlich sein, wenn die Karosseriestruktur geschwächt ist oder Airbags fehlen. Doch keine Sorge: Sie müssen kein Kfz-Meister sein, um die offensichtlichsten Spuren zu entlarven. Mit einem geschulten Blick und einfachen Hilfsmitteln können Sie vielen Blendern auf die Schliche kommen.

Was bedeutet „unfallfrei“ eigentlich rechtlich?

Bevor Sie mit der Lupe um das Auto kriechen, müssen Sie wissen, was der Begriff juristisch bedeutet. Ein Auto gilt nicht mehr als „unfallfrei“, wenn es einen Schaden erlitten hat, der über einen bloßen Bagatellschaden hinausgeht. Ein kleiner Kratzer im Lack, der rauspoliert wurde, oder eine leicht touchierte Stoßstange beim Einparken (bei Schrittgeschwindigkeit) machen ein Auto meist noch nicht zum Unfallwagen. Sobald aber Blech verformt wurde oder Teile ausgetauscht werden mussten, darf der Verkäufer das Fahrzeug nicht mehr als „unfallfrei“ bewerben. Die Grenze ist oft fließend, weshalb Ehrlichkeit hier oberstes Gebot ist.

Der Spaltmaß-Check: Wenn die Linien tanzen

Ihr wichtigstes Werkzeug haben Sie immer dabei: Ihre Augen. Stellen Sie das Auto in helles Tageslicht (niemals im Regen oder in einer dunklen Garage besichtigen!). Gehen Sie einmal um das Fahrzeug herum und achten Sie penibel auf die Spalten zwischen den Karosserieteilen. Der Abstand zwischen Motorhaube und Kotflügel oder zwischen Tür und Rahmen muss überall gleichmäßig breit sein.

Verläuft ein Spalt oben breit und wird nach unten hin schmaler, ist das ein massives Warnsignal. Es deutet darauf hin, dass sich Teile verzogen haben oder nach einem Unfall nicht fachgerecht montiert wurden. Auch Türen, die nicht satt ins Schloss fallen oder leicht hängen, sind verdächtig.

Der Lack-Detektiv: Wolken und Orangenhaut

Nachlackierungen sind oft schwer zu erkennen, aber selten perfekt. Schauen Sie sich den Lack aus einem flachen Winkel gegen das Licht an. Suchen Sie nach:

Farbunterschieden: Hat der Kotflügel eine minimal andere Nuance als die Tür? Das sieht man oft erst auf den zweiten Blick.

Staub-Einschlüssen: Kleine Pickel im Lack deuten auf eine Lackierung in einer nicht sterilen Umgebung hin (Hinterhof-Werkstatt).

„Orangenhaut“: Wenn die Oberfläche nicht spiegelglatt ist, sondern wie die Schale einer Orange wirkt, wurde oft nachgebessert.

Fühlen Sie auch an den Kanten der Türen oder im Tankdeckel. Spüren Sie eine raue Kante oder einen Absatz? Das sind sogenannte „Abklebekanten“, die im Werk nicht entstehen, wohl aber beim Lackierer.

Harte Fakten: Lackdickenmesser und Magnet

Profis verlassen sich nicht auf das Auge, sie messen nach. Ein einfaches Lackdickenmessgerät bekommen Sie online schon für wenig Geld. Werkseitige Lackierungen sind meist sehr dünn (ca. 100 bis 140 Mikrometer). Zeigt das Gerät plötzlich 300 oder mehr an, wurde hier gespachtelt und lackiert. Haben Sie kein Gerät, hilft ein schwacher Kühlschrankmagnet (vorsichtig in ein Tuch gewickelt). Haftet er an einer Stelle des Kotflügels deutlich schlechter als an anderen, befindet sich unter dem Lack eine dicke Schicht Spachtelmasse – ein klarer Beweis für einen vertuschten Blechschaden.

Der Blick unter die Haube und auf die Scheiben

Öffnen Sie die Motorhaube. Schauen Sie sich die Schrauben an, mit denen die Kotflügel befestigt sind. Sind diese Schrauben lackiert? Gut. Ist der Lack an den Schraubenköpfen jedoch abgeplatzt oder sehen die Schrauben nagelneu aus? Dann wurde der Kotflügel wahrscheinlich schon einmal abgeschraubt – ein Vorgang, der bei normaler Wartung nie nötig ist.

Ein weiterer Geheimtipp sind die Scheiben. In der Ecke jeder Autoscheibe befindet sich ein kleiner Stempel mit Codes. Vergleichen Sie diese. Alle Scheiben sollten vom gleichen Hersteller sein und das gleiche Produktionsjahr haben. Wurde die Frontscheibe getauscht, ist das oft nur Steinschlag. Wurde aber eine Seitenscheibe ersetzt, deutet das oft auf einen Seiteneinschlag hin.

Vertrauen ist gut, Kontrolle spart Geld

Wenn Sie auch nur den geringsten Zweifel haben: Fragen Sie nach Rechnungen, schauen Sie ins digitale Serviceheft oder fahren Sie zum Gebrauchtwagencheck bei Prüforganisationen wie TÜV, Dekra oder ADAC. Die Investition von rund 100 Euro für einen Profi-Check ist winzig im Vergleich zum Risiko, einen schlecht reparierten Unfallwagen zu kaufen, der später rostet oder dessen Sicherheitstechnik versagt.

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