Berufswahlspektren von Mädchen und Jungen erweitern – individuelle Verwirklichungschancen schaffen

Berufswahl

Bildung ist der Schlüssel für die Entwicklung von der Industrie- zur Wissensgesellschaft. Andererseits geht es um die individuellen Perspektiven hinsichtlich der Verwirklichung von Arbeitsmarkt- und Verdienstchancen sowie der gesellschaftlichen Teilhabe – gleichermaßen für Frauen und für Männer. Geschlechtstypische Festlegungen bei der Berufs-und Studienwahl und das Zusammenwirken von institutionellen und symbolisch-kulturellen Aspekten dieser Einschränkungen verhindern Chancengleichheit, ebenso wie die unterschiedliche Bewertung von personenbezogenen Dienstleistungsberufen und naturwissenschaftlich-technischen oder handwerklich-gewerblichen Berufen. Dem entspricht die historisch gewachsene Zweiteilung der Berufsbildung in das duale und vollzeitschulische System, das Mädchen oder Jungen nach wie vor bestimmte Felder trotz gesellschaftlich veränderter Rollenbilder zuweist und damit individuelle Verwirklichungschancen behindert.

Ein wesentlicher Kern von Chancengleichheit besteht in der Wahlfreiheit für Mädchen und Jungen auch geschlechtsuntypische Berufe zu wählen und ihre individuellen Neigungen und Interessen zum Ausgangspunkt der Berufs- und Studienwahl zu machen. Doch reproduziert sich relativ konstant eine Segregationslinie entlang der Geschlechterdifferenz. Etwa 75 Prozent der jungen Frauen konzentrieren sich auf lediglich 20 der mehr als 350 Ausbildungsberufe. Interessant ist, dass junge Männer sich deutlich weniger in frauendominierten Berufen konzentrieren (Anteil 1,3 %), als Frauen in männerdominierten Berufen (Anteil 5,5 %). Ansonsten zeigt das Muster kaum Verschiebungen. Die Ursache für geschlechterstereotype Präferenzen ist vielschichtig. Seit einigen Jahren setzen eine Reihe von Maßnahmen an der Motivierung von Mädchen für die Erweiterung ihres Spektrums im Hinblick auf die sogenannten MINT-Berufe an, seit wenigen Jahren auch an der Öffnung von Jungen für Wege in frauendominierte Berufsfelder.