Trockenfrüchte: Gesund oder Zuckerfalle?

Trockenfrüchte: Gesund oder Zuckerfalle?

Sie gelten als der perfekte Snack für das Büro, als Energielieferant beim Wandern oder als süße Alternative zur Schokolade: Trockenfrüchte. Ob Apfelringe, Datteln, Feigen oder die klassische Rosine – das Angebot ist riesig. Doch Ernährungsexperten warnen immer wieder vor dem hohen Zuckergehalt. Sind die gedörrten Früchte also wirklich gesund, oder tarnen sie sich nur als „Naturprodukt“, während sie eigentlich auf die Hüften schlagen? Die Antwort liegt, wie so oft, in der Menge und der Verarbeitung.

Das Prinzip Konzentrat: Kleineres Volumen, gleiche Energie

Um zu verstehen, warum Trockenobst so intensiv schmeckt, muss man den Herstellungsprozess betrachten. Den Früchten wird durch Wärme (Dörren) oder Gefriertrocknung bis zu 80 Prozent ihres Wassergehalts entzogen. Was übrig bleibt, ist ein Konzentrat. Das Gute daran: Die meisten Mineralstoffe (wie Kalium, Phosphor) und Vitamine bleiben erhalten und liegen nun in hochkonzentrierter Form vor.

Das Problem daran: Auch der Fruchtzucker (Fruktose) wird konzentriert. Während man von frischen Weintrauben problemlos eine große Schale essen kann, um 100 Kalorien zu erreichen, genügt dafür bei Rosinen schon eine kleine Handvoll. Trockenfrüchte haben im Schnitt eine Kaloriendichte von ca. 300 Kilokalorien pro 100 Gramm – das ist fast so viel wie Gummibärchen. Wer also eine ganze Tüte Studentenfutter nebenbei am Schreibtisch leert, nimmt schnell die Energie einer vollwertigen Mahlzeit zu sich, ohne wirklich satt zu werden.

Der Turbo für die Verdauung

Trotz der Kalorien haben Trockenfrüchte einen entscheidenden Vorteil gegenüber Süßigkeiten: Ballaststoffe. Durch den Wasserentzug ist der Faseranteil extrem hoch. Das lässt den Blutzuckerspiegel langsamer ansteigen als bei Industriezucker und sorgt für eine langanhaltende Sättigung – wenn man dazu genug trinkt. Besonders Trockenpflaumen sind ein bewährtes Hausmittel, um eine träge Verdauung wieder in Schwung zu bringen. Sie binden Wasser im Darm und regen die Peristaltik an.

Vorsicht im Supermarkt: Die Schwefel-Falle

Haben Sie sich schon einmal gewundert, warum manche getrockneten Aprikosen leuchtend orange sind, während andere unansehnlich braun aussehen? Das Geheimnis ist Schwefeldioxid. Um die Farbe zu erhalten und die Haltbarkeit zu verlängern, werden viele herkömmliche Trockenfrüchte „geschwefelt“. Für gesunde Menschen ist das meist unbedenklich, doch bei empfindlichen Personen oder Asthmatikern kann der Schwefel Kopfschmerzen, Übelkeit oder Atemprobleme auslösen. Die braunen, ungeschwefelten Bio-Varianten sehen zwar weniger appetitlich aus, sind aber die deutlich gesündere und naturbelassenere Wahl.

Die versteckte Zucker-Lüge

Einige Früchte sind von Natur aus sehr sauer, etwa Cranberrys oder Sauerkirschen. Damit diese als Snack schmecken, werden sie von der Industrie oft zusätzlich gesüßt oder kandiert. Ein Blick auf die Zutatenliste ist hier im Jahr 2026 Pflicht: Wenn dort „Zucker“, „Glukosesirup“ oder „Dicksaft“ steht, handelt es sich nicht mehr um einen gesunden Snack, sondern um eine Süßigkeit. Eine gute Trockenfrucht sollte nur eine einzige Zutat haben: die Frucht selbst.

Die Dosis macht das Gift

Trockenfrüchte sind definitiv gesund – aber nicht in Massen. Sie sind reich an Mikronährstoffen und Ballaststoffen, was sie jedem Schokoriegel überlegen macht. Die Faustregel lautet: Eine pro Tag geschlossene Handvoll ist gesund. Nutzen Sie Trockenobst am besten als „Gewürz“ im Müsli oder als gezielten Energieschub beim Sport, statt es gedankenlos vor dem Fernseher zu snacken.

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